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Seen auf Mars?

15 December 2020 — Simeon Schanzen (7C)

Obwohl zuletzt die Venus als mögliche Heimat von außerirdischem Leben ins Zentrum des Interesses rückte, gilt immer noch der Mars in dieser Hinsicht als größter Hoffnungsträger. Zum einen haben nach allem, was man bisher weiß, auf dem Roten Planet vor mehreren Milliarden Jahren zumindest vorübergehend ganz passable Bedingungen mit höheren Temperaturen, Seen, Flüssen und einer dichteren Atmosphäre geherrscht. Zum anderen mehren sich die Hinweise.

Vor rund einem Jahrhundert vermuteten Wissenschaftler, der Mars sei von einer globalen Dürre geplagt und die letzten Gewässer weitgehend verdunstet. Deshalb würden verzweifelte Marsianer Schmelzwasser in Kanälen von den vereisten Polen zum Äquator schleusen. So erklärte man sich die schnurgeraden Linien, welche Astronomen auf dem Planeten ausgemacht hatten. Heute ist klar, dass die «Marskanäle» keine Wasserstraßen sind, sondern nur auf einer optischen Täuschung beruhen. Die Idee polarer Wasservorkommen hingegen kommt der Wirklichkeit beachtlich nah.

Rund um den Südpol des Mars, in mehr als einem Kilometer Tiefe, soll es mehrere Seen aus flüssigem Wasser geben. Zu diesem Schluss kam die Astrophysikerin Elena Pettinelli und ihr Team von der Universität Roma Tre und berichten in einer neuen Studie von einem Netz subglazialer Salzseen am Südpol des Mars. Mit der Studie, die im Fachmagazin Nature Astronomy veröffentlicht wurde, bestätigen sie die Funde von Wasser auf dem Mars.

Für ihre Untersuchungen verwendete das Team Daten des Radargeräts auf dem “Mars-Express”-Orbiter der europäischen Weltraumorganisation ESA. Sie stützten ihre Erkenntnisse auf 143 Radarbeobachtungen von 2010 bis 2019. Die Methode der Wissenschaftler funktioniert ungefähr so wie auf der Erde auch. Mit Satellitendaten spürten Geowissenschaftler hier beispielsweise unterirdische Seen in der Antarktis und der kanadischen Arktis auf, die auf Radarmessungen der europäischen Raumsonde Mars Express beruht. Für Weltraumforscher ist dies eine aufregende Entdeckung. In flüssigem Wasser könnte es Spuren von Leben geben, das sich auf dem Mars entwickelt haben.

Der Planet Mars Photo: NASA

Genau unter dem Südpol soll der größte der Seen liegen. Mit einer Länge von 30 Kilometer ist er etwas kleiner als der Neusiedlersee (36 km ; Österreich & Ungarn). Er wurde bereits 2018 von einer Gruppe italienischer Forscher entdeckt. Für die neue Studie wurden Daten von viermal mehr Radarmessungen als 2018 analysiert. Dabei kamen außerdem neue Erkenntnisse zum Tragen, die man durch Analysen von Wasserschichten unter Gletschern auf der Erde gewonnen hat.

Die Analyse bestätigte die Existenz des 2018 entdeckten Südpol-Sees, enthüllte aber auch die Anwesenheit dreier weiterer Seen, die das zentrale Wasserreservoir umgeben. Mit wenigen Kilometer Länge sind sie deutlich kleiner. Das Wasser in den Seen sollte sehr salzig sein. Anders wäre es laut den Forschern gar nicht möglich, dass es bei der Kälte am Mars in flüssigem Zustand verbleibt.

Mehrere unterirdische Seen Photo: Sebastian Emanuel Lauro et al., Nature Astronomy, 2020.

Das Spannende jedoch: Wenn es auf dem Roten Planeten flüssiges Wasser gibt, dann könnte es dort vielleicht sogar Leben geben. Denn irdische subglaziale Seen belegen, dass selbst in solchen dunklen, salzigen Wasservorkommen einzellige Organismen vorkommen. „Diese Gewässer an der Basis der südpolaren Eiskappe sind damit Areale von hohem astrobiologischem Interesse“, sagen Pettinelli und ihr Team.

Ob es auf dem Mars tatsächlich Leben gibt, ist aber noch immer reine Spekulation. Eine Antwort wird sich wahrscheinlich nur vor Ort finden lassen. „Zukünftige Marsmissionen sollten diese Region anvisieren, um dieses hydrologische System, seine Chemie und mögliche Spuren außerirdischen Lebens näher zu untersuchen“, konstatieren die Wissenschaftler.

Mars Express (abgekürzt MEX) ist eine Mars-Sonde der ESA. Sie wurde im Juni 2003 gestartet und erreichte den Planeten am 25. Dezember 2003. Hauptaufgabe der Mission war das vollständige Kartografieren des Mars, die Erforschung seiner Atmosphäre, seiner Oberfläche sowie des Materials, das sich in bis zu zwei Metern Tiefe befindet. Zusätzlich hatte die Sonde das Landegerät Beagle 2 an Bord.

Das Raumfahrzeug Mars Express Photo: ESA

Seine Frequenzkanäle sind (1.8, 3.0, 4.0, und 5.0 MHz). Er ist dazu da die Oberfläche und Atmosphäre von Mars zu Untersuchen. Er untersucht ebenfalls den Untergrund von Mars in einer Tiefe von bis zu 5 km. Der Abstand der Antenne zum Boden beträgt mehr als 300 km bis maximal 800 km.


Cover image: NASA/JPL/MSSS

Author(s): Simeon Schanzen (7C)
Editor: Andrea Grana
Topic(s): Astronomy, Astrophysics
Team(s): Astrophysics Lab

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